Faszination Nürburgring

Nürburgring
Lauf

Lauf durch die grüne Hölle. Wer hat nicht schon mal davon geträumt, auf den Spuren von Fangio, Lauda und Co. mit seinem Auto die legendäre Nordschleife Nürburgring abzufahren und sich selbst wie ein Rennfahrer zu fühlen. Ich selbst habe dies noch nicht gemacht, mir aber sagen lassen, dass das Kribbeln und die Faszination da ist.

Meine von mir selbst vorgegebenen Ziele bezüglich Zeiten bei Marathon, Halbmarathon und über die 10-km-Distanz habe ich erreicht. Da ich keine Ambitionen mehr hege, diese unbedingt verbessern zu wollen, laufe ich jetzt nur noch Wettkämpfe, die mir in der Vergangenheit gefielen und auch interessant sind. Ich habe mir auch vorgenommen, in jedem Jahr so vier bis fünf Wettkampforte neu zu erkunden. So war dieses Jahr als ersten interessanten Wettbewerb der Lauf Auf die Platte in Wiesbaden dran. Ein Lauf, der zu mehr herausfordert.

Nun aber zum eigentlichen Thema. Als ich Anfang des Jahres im Laufkalender die Veranstaltung Run/Rad am Ring im Zeitraum 19.-21.08.05 gelesen habe, war mein Entschluss gefasst. Ich fahre die Nordschleife nicht, sondern nehme sie unter die Füße. 24,4 km mit einigen vielen Höhenmetern klingen sehr interessant. Außerdem ist es eine Jubiläumsveranstaltung (25 Jahre). So war die Mail-Anmeldung nur noch Formsache. Hinzu kam noch das günstige Übernachtungsangebot für Teilnehmer im Dorint-Hotel direkt am Ring. Auch das war schnell gebucht. Leider konnte ich in der Vorbereitungsphase durch Ischiasbeschwerden mein vorgesehenes Training nicht so durchführen wie erwünscht. So hatte ich dann halt meine Zeitvorstellung etwas nach hinten verschoben (von 1:45 auf unter 2 Std.). Weil es aber dann die letzten Wochen mit dem Trainieren einigermaßen lief, war meine Zeitvorstellung nunmehr 1:52:30, also 13er Schnitt.

Dort am 20.08. angekommen (am 19. + 20. waren nur Radwettbewerbe) machten wir (meine Frau und ich) uns nach dem Einchecken im Hotel auf den Weg, meine Startunterlagen in den Boxen 1 - 3 abholen. Schon beim Gang dorthin mussten wir durch das historische alte Fahrerlager. Dieses hat die Form eines Carree. Die Boxen sind im Gegensatz zu heute klein und bei weitem nicht so ausgestattet. Im Übrigen, wo heute das Dorint-Hotel steht, war früher die Haupttribüne. Nach Unterquerung des Rings, vorbei an einer Tankstelle, kommt man dann ins jetzige Fahrerlager. Dort war dann die so genannte Trade-Village aufgebaut. Etwas enttäuscht war ich schon. Nur ca. 10 Stände waren aufgebaut, größtenteils für Radzubehör. Der Rest des Fahrerlagers wurde von den Teilnehmern des 24-Std. Rad-Rennens in Beschlag genommen. Das Abholen der Startunterlagen ging flott. Kein Warten, da noch Vortag. Welch ein Gefühl, in den Boxen der Weltmeister zu stehen. Nach Stärkung nebenan in den Boxen 4 - 6 (Kaffee 0,50 €, halbes Brötchen und Kuchen je 1 €), ging es ans Bummeln. Zum Teil waren die Sachen heruntergesetzt. Leider waren die für mich interessanten Laufschuhe in meiner Größe nicht mehr da. So blieb es bei ein Paar neuen Radhandschuhen. Nach dem Bummeln setzten wir uns auf eine Tribüne hinter dem Fahrerlager und genossen den Sonnenuntergang.

Sonntags morgens nach dem Aufstehen ein Blick aus dem Fenster. Nebelsuppe hoch eins. Somit war meine Laufkleidung klar, Radlerhose und Lauf-T-Shirt. Nach meinem obligatorischen Läuferfrühstück (zwei Marmeladenbrötchen und zwei Tassen Kaffee wegen Toilettengehens ;-) ) packten wir unsere Sachen zusammen brachten sie und zum Auto, da wir bis zwölf Uhr das Zimmer verlassen mussten. Danach ging es zum Start. Um 9:00 war Startaufstellung. Außer den Organisatoren und den Teilnehmern war die Strecke für alle anderen gesperrt. Von dem im Internet veröffentlichten Streckenplan her war ich gewarnt. Von Beginn bis km 10 ging es von 600 m auf ca. 320 m runter und dann bis ca. km 15 wieder die gleiche Strecke rauf. So war angesagt, nicht so schnell anzulaufen und bergab Kraft für die Steigungen zu behalten. Nach Begrüßung der Ringveteranen und der Prominenz wurde um 9:30 gestartet. Schon bei der Startaufstellung fand ich jemanden, der in etwa die gleiche Zeit anstrebte wie ich. Er teilte mir mit, dass er diesen Lauf als Vorbereitungslauf für den Berlin-Marathon sieht und damit voll aus dem Marathontraining heraus läuft. Oje, ich mit meinen wenigen Vorbereitungskilometern. Aber ich war trotzdem optimistisch, dass 13er Durchschnittstempo durchaus drin ist. Nachdem wir die ersten Km etwas schnell angegangen waren, um aus dem Starttrubel herauszukommen, konnten wir das vorgegebene Ziel, die ersten 10 km ungefähr im 4:15er Tempo zu laufen, um Puffer zu haben, angehen. Mit der Gleichmäßigkeit war es nicht weit her. Lange Gefällstrecken (teilweise 11%) wechseln sich mit kurzen knackigen Steigungen (7-8%) ab. So gab es mal ein Km mit 3:57 (einfach nur laufen gelassen), aber auch eine 4:35. Bei Zehn waren wir dann bei 42:10, also 4:12/Km. Soweit so gut. Ab Km 11 fängt die grüne Hölle an. Jetzt ist es umgekehrt. Lange Steigungen wechseln sich mit sehr kurzen Gefällstrecken ab. Da bleibt einem wenig Luft zum verschnaufen. Bei Km 13 trennte ich mich vom bisherigen Laufpartner, da der die Steigungen besser laufen konnte. Der Clou kommt ungefähr bei Km 15. 500m mit ca. 17% Steigung hoch zur Hohen Acht. Nachdem ich dann nach Km 15 auf die Uhr schaute (1:07), und mir gedanklich noch das Streckenprofil vor Augen führte, dachte ich mir, dass die vorgenommene Zeit durchaus machbar ist. Also nochmals die Kraftreserven mobilisieren. Bei Km 20 dann eine Erleichterung, die erste etwas längere Gerade ohne nennenswerte Höhenunterschiede. Schnell wurde das aber zunichte gemacht. Ab km 23 nochmals eine kleine Steigung. Aufgrund der bisherigen Strecke klein? Dann ging es auf die Zielgerade. Mir kam es vor, dass ich nur noch gaanz langsam trabe. Aber soo langsam war es nicht. Für die letzten 1,4 km 6 min. Dass ich trotzdem noch so schnell war? Die letzten 300m vor dem Ziel wurden dann zum genießen. Viele Zuschauer mobilisierten die letzten Kräfte bei mir. Endzeit 1:50:32. Gefreut, dass es unter der vorgenommenen ist, aber ein bisschen geärgert, dass es nicht unter 1:50 ist. Na ja, ein Ziel fürs nächste Jahr. Meine Frau sagte mir, dass ich ziemlich weit vorne sein müsste. Es wären mit Sicherheit noch keine 100 im Ziel. Endplatzierung dann 88. von 1410 Teilnehmern, Altersklasse 21. von 241. (Mein anfänglicher Mitläufer lief 1:48:30 und war sehr happy für seine Zeit unter 1:50). Das Duschen danach war aber nur mit ziemlicher Wartezeit möglich. Für die vielen Teilnehmer sind es einfach zu wenige Duschmöglichkeiten gewesen. Das war einer der wenigen Minuspunkte. Weiterhin ist festzustellen, dass am Sonntag erheblich mehr los war als am Samstag, bedingt dadurch, dass 4 Läufe, 3 Mountainbikerennen und 2 Inlinerrennen stattfanden.

Fazit: Faszination Grüne Hölle macht süchtig nach mehr, nicht nur für Auto und Motorrad, auch für Läufer. Ich komm wieder, keine Frage.

30.08.05 Ronald

Leserbrief vom 02.09.05

Hallo Ronald

Deine Schilderung des Laufes ist so eindringlich, dass man das Gefühl hat, mit dabei gewesen zu sein. Ich selbst bin den Nürburgring noch nie gelaufen, kann mir aber die Steilheit und das Gefälle gut vorstellen. Ich bin vor einigen Jahren den Boston Marathon gelaufen, da hat mich der Wechsel von hoch und runter ziehmlich geschafft, bzw. auch relativ unvorbereitet getroffen, da ich annahm, es gehe nur 1x richtig hoch. Dennoch war es ein ganz tolles Erlebnis.

Veronika

Letzte Änderung: 2007-04-17 (Mathias Halbach)